Personalausstellung Cindy Schmid

Collagen wie aus dem Kuriositäten Kabinett – Cindy Schmid

Falken mit Hasenköpfen, schnurrbärtige Frauen und Radieschen in Anzügen gehören zum Repertoire von Cindy Schmid, wie einst Hieronymus Bosch fasziniert die unnatürliche Sicht der Künstlerin Jung und Alt gleichermaßen.Mit dem Skalpell schneidet sie Bilder in Stücke, arrangiert sie neu mit Farbe und Fineliner, spielt ganz bewusst mit dem Unterbewussten, mit Klischees und Sinnbildern. Eine Auswahl ihrer Collagen zeigt die Galerie Ebert im Mai in Cottbus.

Wie bist du zur Kunst gekommen?
Ich habe den Verdacht, die Kunst ist zu mir gekommen. Manchmal steckt so viel treibender Druck hinter der Umsetzung einer Bildidee, dass ich das Gefühl habe, ich sei nur ausführendes Werkzeug.

Dein Stil ist surreal, mystisch und phantasievoll. Was inspiriert dich zu deinen Collagen?
Die Realität wird ja als solche von vielen Menschen ziemlich deckungsgleich wahrgenommen. Wenn dort ein Stuhl steht, wird er als solcher wahr genommen. Steht dort aber ein halb eingegrabener Stuhl, welcher viel zu niedrig zum bequemen Sitzen ist, beginnt der Betrachter Fragen zu stellen oder zumindest den Kopf zu schütteln. Für einen Moment hat man es geschafft, dass er sich unbestimmt seltsam oder belustigt gefühlt hat. Ich mag einfach solche Momente. …das mit dem Stuhl muss ich mal machen.

Es geht dir also um das Anders wahrnehmen, oder besser gesagt gewohnte Dinge in Frage zu stellen. Nehmen aktuelle Ereignisse Einfluss auf den Bildinhalt deiner Werke?
Man ist am Abend jemand anderes, als am Morgen. Ja.

Gibt es künstlerische Vorbilder für dich?
Es gibt Künstler, die mein Interesse wecken, wie z.B. Ilkka Lammi, über dessen Arbeiten ich eher zufällig gestolpert bin. Ich fange dann an, Informationen über den Künstler zu finden und schaue mir die Arbeiten an. In diesem Fall habe ich mir den finnischen Katalog des Künstlers organisiert, was recht abenteuerlich war. Natürlich bin ich auch mit der Geschichte der Collage und ihren Vertretern durch meine eigene Arbeitsweise besonders vertraut und die Umtriebigkeit eines Max Ernst verdient meinen allerhöchsten Respekt, aber wirkliche Vorbilder kann ich nicht nennen. Ich mag Menschen mit freiem Geist.

Was ist das Verrückteste was du bisher für deine Kunst getan hast?
Vom 1.11.2011 bis zum 31.10.2012 habe ich an jedem Tag dieses Jahres etwas erschaffen: digitale und analoge Collagen, Photos, Soundcollagen, Stopmotionfilme…und es auch täglich vor 24 Uhr online gestellt. In der Zeit habe ich wahnsinnig viel probiert und gespielt – es war eine sehr freie und trotzdem sehr durchorganisierte Zeit, da der normale Alltag ja weiterlief und auch Tage dabei waren, an denen ich krank oder verreist war. Abschliessend habe ich mir damals den Projektnamen »P365« auf den Ringfinger tätowieren lassen, als Erinnerung an ein unfassbares Jahr.

Du lebst für die Kunst, wie siehst du die derzeitige Entwicklung des Kunstmarktes?
Wenn Bilder verkauft sind, bevor sie gemalt wurden, läuft etwas schief.

Ja, der Kunstmarkt verhält sich eher wie der Aktienmarkt, es geht um Hypes und Wetten auf Optionen, da bleibt der Bildinhalt meist auf der Strecke. Was wünscht du dir kulturell von der Politik bzw. was würde das Leben von Künstlern in deiner Region vereinfachen?
In Greifswald besteht für Künstler die Möglichkeit gegen eine sehr geringen Obolus in Wohnblöcken Ateliers anzumieten, was etwas sehr Gutes ist. Jede Stadt profitiert von ihren Künstlern, wenn sie ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, Raum gibt. Perfekt wäre dieser Raum, wenn dem Betrachter Unglaubliches geliefert wird und das Ordnungsamt keinen Zutritt hätte, aber dass ist wohl zu viel verlangt.

Ein Labor für die Kunst zu schaffen ohne Reglementierung wäre etwas wunderbares. Du bietest auch Tauschgeschäfte und Ratenzahlung an, eine sehr noble Geste, ist es dir wichtig dass deine Arbeiten in gute Hände kommen?
Ich persönlich kenne das Gefühl, mich in ein Bild zu verlieben. Würde ich dann die Möglichkeit bekommen, dieses Bild zu besitzen und dürfte Vorschläge anbringen, was ich dafür geben könnte, wäre das toll, denn manchmal fehlt es einfach grade am Geld für die Kunst. Kunst steht auch bei mir ganz hinten auf dem Einkaufszettel, schließlich wollen meine Kinder nicht an einem Bild von Neo Rauch knabbern.

Wo kann man deine Werke in Zukunft sehen?
Auf alle Fälle immer auf meiner Internetseite swinxgrafix oder bei facebook und im »Magazin«, für welches ich regelmäßig als freie Illustratorin arbeite.

Interview: Simone Claudia Hamm / veröffentlicht im Kulturmagazin Blicklicht

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