Personalausstellung Inna Perkas

Inna Perkas – Erlebnisse in Form und Farbe

Wenn schwarze Tintenkleckse auf alten Kalenderblättern Bilder im Kopf erzeugen, oder zerfetztes Zeitungspapier die Umrisse von Ländern und Kontinenten erahnen lässt, dann betrachtet man gerade die Werke von Inna Perkas. Aber Ihre Arbeiten beeindrucken nicht nur durch Ideenreichtum sondern auch durch den gezielten Einsatz von Farben und Formen. Manches erinnert an mikroskopische Beobachtungen anderes an bunte Hortensien im Garten und man kann gespannt sein welche Themen in Zukunft Einfluss auf Ihre experimentierfreudigen Weltbetrachtungen haben werden. Zur Zeit absolviert sie ein Studium an der Akademie für Malerei in Berlin, in der Klasse von Uta Wöllmann. Inna Perkas wurde 1969 in der Ukraine geboren und machte dort Ihren Abschluss zur Diplom Biologin, sie lebt und arbeitet seit mehr als 10 Jahren in Cottbus, seit 2012 stellt sie ihre Kunst in Cottbus, Brandenburg, Berlin und der Ukraine aus.

Wie bist du von der Biologie zur Kunst gekommen?

Eigentlich habe ich früher nie gemalt, ich wollte nicht mal malen. Doch dann ist etwas in meinem Leben passiert, was alles in mir drin irgendwie geändert hat. Daraufhin habe ich angefangen zu malen. Von einem Tag auf den anderen. Ich bin nach Hause gekommen und konnte nichts anderes machen. Ich hatte einen solchen Drang, ein solches Bedürfnis, einen solchen „Durst“, dass ich zuerst ohne Pinsel (da ich keine Pinsel zuhause hatte), mit bloßen Händen gemalt habe. Jetzt kann ich sagen, das Unglück hat mir großes Glück gebracht, weil es nichts anderes, als das GROßE GLÜCK ist, eigene Gefühle, Gedanken, Eindrücke und Erlebnisse in Farbe und Form zu fassen.

Es ist eine schöne Lebenseinstellung den negativen Dingen positives abgewinnen zu können und diese Erfahrung zu nutzen. Hast du künstlerische Vorbilder oder Stilrichtungen die Deine Arbeiten beeinflussen oder prägen?

Mein großes Vorbild ist vor allem Pablo Picasso. Seinen kreativen Genius bewundere ich sehr. Mit allen seinen Gitarren aus Zeitungen, Metallblech und Eisendraht, Birnen aus Tapeten, Eulen aus Keramik, Stierschädeln aus Fahrradsätteln und Lenkerstangen, usw. ist Picasso für mich ein Synonym für Kreativität. Ich bewundere an Picasso dieses Konglomerat aus seiner außergewöhnlichen Begabung, seinen Kenntnissen der Grundlagen und seine Produktivität. Schon als relativ kleiner Junge, in der Schule, hatte er mehr als 600 Bilder gemalt. Er hat mehrere Techniken ausprobiert und selbst neu entwickelt, er hat mit allen möglichen Materialien gearbeitet.

Du experimentierst gern mit Recyclingmaterial und stellst dich damit gegen den Trend der Wegwerfgesellschaft. In deiner Serie Maps verwendest du z.B. alte Zeitungen, was fasziniert dich an gebrauchten, noch gebrauchsfähigen Werkstoffen?

Ich versuche die Welt mit den Augen zu sehen, wie Picasso sie gesehen hat – jedes Objekt kann etwas anderes sein. Und man kann mit allen möglichen Bildträgern arbeiten, es muss nicht unbedingt das schöne Papier oder die Leinwand sein. Wenn ich kein Papier habe, male ich auf Tapeten, Verpackungsmaterialien, Styroporplatten, ich verwende in meinen Bildern für die Grundierung benutzte Handschuhe, und für die Festigung der Bilder gebrauchtes Malerkreppband. Mich regt besonders die Tatsache an, dass ich all diese Materialien nicht speziell für mein Bild in einen solchen Zustand bringe, sondern, dass ich das in meine Bilder aufnehme, was sonst ohne Leid weggeschmissen werden sollte. Ganz nach Joseph Beuys: „Nicht das Erbe späterer Generationen zu belasten!“.

Es ist glaube ich ein wunder Punkt unserer Gesellschaft, dass das Streben nach Fortschritt egal auf wessen Kosten einer besseren Ethik, der Nachhaltigkeit und der umfassenden Betrachtung weichen muss. Um die marode Dienstleistungsgesellschaft zu verlassen und in die Exellenzgesellschaft zu gelangen ist es wichtig dass jeder für sich selbst, seine Umwelt, seine Mitmenschen und die Zukunft aller Verantwortung übernimmt, was in vielen Teilen der Kreativwirtschaft bereits Standard ist. Du studierst in Berlin Malerei, wie verhält es sich mit der Kunstszene dort im Vergleich zu Cottbus?

Ich möchte irgendwie korrekt bleiben. Ich liebe Cottbus, aber was die Kunstszene betrifft sind es verschiedene Welten. Berlin kann man mit dem Drang nach „NEUEM!“ identifizieren. Neue Ideen, neue Materialien, als Bildträger, neue Mischungen, als Farben, neue Orte, als Galerien. Es ist manchmal schräg und provokativ, aber meistens nicht aus Liebe zur Provokation, sondern wegen und während der Identitätssuche und meistens authentisch. Es geht mehr um die Sache, etwas neues, aber eigenes auszudrücken, als sich mit der Frage zu beschäftigen, wird das Bild ins Wohnzimmer passen, oder nicht. Man kann nicht verneinen, dass in Cottbus regelmäßig absolut hervorragende Ausstellungen stattfinden (DKW, Galerie HAUS 23, Galerie Fango) aber insgesamt ist die Atmosphäre in der Kunst eher „Bild-für-das-Wohnzimmer-mäßig“.

Manchmal habe ich auch den Eindruck Cottbus kommt etwas Altbacken rüber mit seiner Scheu vor Neuem, Andersartigem oder allgemeinen Veränderungen und harrt erst mal aus wie die Dinge sich entwickeln und beäugt alles sehr kritisch. Aber es gibt zum Glück auch Ausnahmen und Wegbereiter die Veränderung bringen und frischen Wind, auch die vielen Studenten in der Stadt tragen maßgeblich dazu bei.
Du hattest auch schon Ausstellungen in der Ukraine, deinem Geburtsland. Wirkt sich der politische Umbruch dort auf den Inhalt deiner künstlerischen Arbeiten aus?

Ja natürlich, aber nicht nur das. Insgesamt macht mich die ganze politische Situation heute in mehreren Ecken der Welt traurig, trostlos und hoffnungslos. Die einzige Möglichkeit für mich mit meinen Gedanken und Gefühlen klar zu kommen, ist das alles in meinen Bildern zu verarbeiten. Eine der Serien, die in der letzten Zeit entstand, ist dem Thema „Krieg und gegen Krieg“ gewidmet.

Du bist Mitbegründerin der Initiative „Kunst hilft“, was steckt hinter dem Konzept?

Es geht um eine Reihe von Kunstausstellungen deren Erlös zum großen Teil für karitative Zwecke gespendet wird, jedes mal ist das Ziel anders. Zum Beispiel: mit der Ausstellung im Mai 2014 haben wir Herrn PD Dr. med. habil. Erler (Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des CTK) unterstützt, der sich für das Eltern-Kind-Haus engagiert, welches krebskranken Kindern und ihren Eltern den Aufenthalt unmittelbar am CTK ermöglicht, da sie monatelang therapiert werden. Im September haben wir die Aufmerksamkeit auf die Arbeit von Herrn Prof. Dr. Eichhorn, Chefarzt der HNO-Klinik, gelenkt, der im Dezember 2013 das Bundesverdienstkreuz für seine karitative Arbeit erhalten hat. In der Novemberausstellung ging es um die Spreeschule Cottbus für behinderte Kinder. Aber es stehen noch mehr Ausstellungen an, die weitere karitative Einrichtungen zu gute kommen sollen wie die Kinderstation, das Kinderheim usw. Dabei möchte ich mich bei allen Künstlern bedanken, die an unseren Ausstellungen teilgenommen haben und bei den Musikern, die uns bei den Ausstellungseröffnungen unterstützt haben. Unsere nächste Ausstellungseröffnung ist am 07.03.2015 um 11:00 in der Physiotherapie Gärtner, Lieberoser Straße 35-36.

Wo kann man deine Arbeiten in nächster Zukunft sehen?

Meine Arbeiten sind an verschiedenen Orten zu sehen, in Cottbus bis 22.2.15 in der Galerie Ebert, in der „kleinen Galerie“ der Bücherei Sandow bis 31.03.15, in Guben im Februar zu den Kunsttagen in der Galerie im Naemi-Wilke-Stift und in Berlin in der Akademie für Malerei.

Herzlichen Dank für Das Interview und die vielen Informationen, möchtest du noch etwas hinzufüge?
Zum Schluss möchte ich allen Gesundheit, Glück und Frieden wünschen!

Interview: Simone Claudia Hamm / veröffentlicht im Kulturmagazin Blicklicht

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